Erklärt habe ich bereits wie OKR als Instrument und Methodik des Zielemanagements mehr Fokus und bessere Anpassungsfähigkeit in Organisationen bringen kann. Heute noch zum dritten großen Vorteil aus meiner Sicht: Rhytmus!
Als mir als junger Projektmanager erklärt wurde, wie wichtig Rhythmus in Projekten sei, konnte ich damit wenig anfangen. Über die Jahre hinweg habe ich jedoch erlebt, dass Projekte besonders dann ruhig und stabil laufen, wenn sich Abläufe einspielen und wiederholen, wenn Menschen die Schwachstellen nach und nach in den Griff bekommen und bestenfalls nach einigen Iterationen ein Flow-Zustand erreicht wird.
Rhythmus und Wiederholungen sorgen dafür, dass langfristig Ressourcen geschont werden. Reibung bzgl. Prozessen, Arbeitsweisen und Kommunikationsstrukturen ist auf das minimale Maß reduziert.
Leider fehlt uns hierfür oft die Geduld: Das Geschäft ist schnelllebig, neue Vorgesetzte haben neue Ideen, der Kunde wirft den Plan um und haben die Bundesligisten nicht am letzten Spieltag auch wieder einen Trainer vor die Tür gesetzt (während der Neue „seine Spielidee“ der Mannschaft bis nächste Woche nahebringen soll)?
Das ist ein Grund, warum Rhythmus oft nicht entsteht.
Der andere ist vor allem in Unternehmen gut zu beobachten. Jahresziele werden ein Mal im Jahr abgestimmt. Wer erinnert sich im Folgejahr noch, ob der Prozess damals vernünftig war? Wurden die Ziele nicht wie geplant erreicht, haben „die Anderen“ Schuld: Mitarbeiter waren änderungsresistent, Teamleiter haben nicht geführt, der Markt ist abgerutscht etc. Die Ursachenfindung ein Jahr später ist bestenfalls unzuverlässig, schlimmstenfalls unmöglich.
Kurze Zielsetzungszyklen a la OKR sorgen im Gegensatz dazu dafür, dass Top Management, Führungskräfte und Mitarbeiter sich spätestens alle paar Wochen intensiv mit dem Thema Ziele auseinandersetzen. Nach wenigen Zyklen sollte auch dem letzten klar sein, wie der Prozess abläuft. Optimierungsschleifen lassen sich in kleinen Häppchen nach jedem Zyklus durchführen, der Elefant wird kleingeschnitten.
So entsteht Rhythmus, der in Fleisch und Blut übergehen kann. Er gibt allen die Sicherheit zu wissen, wie der Takt aussieht und auch den eher veränderungsunwilligen Menschen wird schnell klar, dass Flucht und Todstellen sinnlos und Kampf dagegen anstrengend wird.
Fokus, Anpassungsfähigkeit und Rhythmus sind also das, was man bei stringenter und pragmatischer OKR-Einführung mit ins Körbchen gelegt bekommt. Im konkreten Fall hatten wir interessanterweise noch viel weitergehende Benefits: So wurde beim Thema „Wie halten wir die Ziele nach?“ klar, wo die Lücken in der Kommunikationskaskade waren und die Frage „Wer bekommt überhaupt ein eigenes OKR-Set?“ forcierte bei Mutter- als auch internationalen Tochtergesellschaften die Auseinandersetzung, wie man eigentlich organisatorisch zusammenarbeiten will.



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